Telematik Tarif der VHV KFZ-Versicherung: Erste Erfahrungen

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Seit ein paar Monaten bietet die VHV Versicherung aus Hannover einen Telematik-Tarif im Bereich der privaten KFZ-Versicherung an. In diesem Blogartikel möchte ich neben einer Vorstellung des Telematik-Tarifs „TELEMATIK GARANT“ der VHV Versicherung auch meine ersten Erfahrungen mit dieser innovativen Form der Absicherung darstellen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ist in meinem Familienauto nun die Telematik-Box aktiv und ich erleben dadurch nun selbst, wie mein Fahrverhalten durch die Auswertungen der einzelnen Fahrten positiv beeinflusst wird.

Die Idee des Telematik-Tarifs in der KFZ-Versicherung

Zunächst einmal ist die Idee von Telematik-Tarifen in der KFZ-Versicherungen eine genauere Ermittlung der Prämie durch die Messung des tatsächlichen Risikos. Darüber hinaus kann eine Transparenz in der Prämienermittlung auch dazu führen, dass der Versicherungsnehmer sein (Fahr-)Verhalten dauerhaft anpasst, um somit sein persönliches Risiko zu reduzieren. Die Motivation diese Verhaltensänderung durchzuführen, ist natürlich umso größer, umso mehr die Prämie sinkt, das heißt, umso mehr Geld der Versicherungsnehmer für sein KFZ-Versicherung einspart. Es ist also das Ziel, durch diese Verhaltensveränderung des Kunden die Schadensfälle zu reduzieren, um so tatsächlich die Kosten für die Schadensregulierung für die Versicherungsgesellschaft zu minimieren.
Ein weiterer Aspekt der Telematik-Tarife ist jedoch auch, dass der Versicherungsschutz nun erlebbar wird, so erläuterte es mir Dr. Per-Johan Horgby, der KFZ-Vorstand der VHV Versicherung, auf der Fachmesse DKM im Oktober 2015 in Dortmund. Dr. Horgby stellte dort in seinem Vortrag „Der Telematik-Code“ diesen neuen KFZ-Versicherungstarif „TELEMATIK GARANT“ der VHV Versicherung vor. Das fast tägliche Auseinandersetzen mit seinem Fahrstil und die transparente Bewertung durch die Telematik-Anwendung sollen den Bindungseffekt zur gewählten KFZ-Versicherung erhöhen.

Dr. Horgby und Dr. Lange auf der DKM 2015

Persönliches Treffen mit Dr. Per-Johan Horgby, Kfz-Vorstand der VHV Versicherungen, auf der DKM 2015 in Dortmund

Persönlich wollte ich daher nachprüfen, ob so ein Telematik-Tarif tatsächlich, eine besondere Wirkung erzielt und daher habe ich im November 2015 beschlossen, quasi in einem Selbstversuch, den Telematik-Tarif der VHV Versicherung zu testen. In den vergangenen Monaten gab es zudem unterschiedliche Presseartikel zu dem Thema „Telematik-Tarife in der KFZ-Versicherung“, so zum Beispiel in der „Wirtschaftswoche“ im Artikel „KFZ-Versicherer entdecken die Black-Box“ vom 15.12.2015. In diesen Artikel wird auch davon geschrieben, dass nun weitere Versicherungsgesellschaften, wie beispielsweise die Allianz oder die HUK-Coburg, derartige Tarife auf den Markt bringen wollen.

Die erstmalige Installation der Telematik-Box

Für das neue Versicherungsjahr ab 1. Januar 2016 habe ich unser Familienauto, ein Renault Trafic Baujahr 2014, im neuen Telematik-Tarif der VHV Versicherung versichert. Der neue Telematik-Tarif war zu diesem Zeitpunkt nur über einen Versicherungsvertreter bzw. Versicherungsmakler abschließbar. Der Versicherungswechsel ging dabei problemlos, wie es bei einer KFZ-Versicherung üblich ist. Das besondere an diesem Tarif ist jedoch, dass man zusätzlich eine Telematik-Box mietet, um die entsprechenden Daten über die Fahrten und das Fahrverhalten aufzuzeichnen. Hierfür schließt man zu dem KFZ-Versicherungsvertrag einen Dienstleistungsvertrag ab. Die Telematik-Box kostet eine Miete von 6,99 Euro pro Monat. Dieser Betrag wird monatlich per Lastschrift von einem Girokonto eingezogen. Die Telematik-Box hat eine eigene SIM-Karte und kann daher völlig unabhängig von anderen Smartphones bzw. Handys die Daten an die VHV Versicherung übermitteln. Ein eingebautes GPS-Modul, ein Crashsensor, ein interner Akku für Notfälle und ein USB-Anschluss für andere Geräte machen dieses externe Modul zu einer in sich schlüssigen Einheit. Ein integrierter Notrufknopf bietet sogar bei Bedarf die Möglichkeit bei einer Panne oder einem Unfall Hilfe anzufordern.
Um die Telematik-Box permanent mit Strom zu versorgen, muss diese in die 12V-Steckdose des Autos gesteckt werden. In meinem Fall klappte dies bei unserem Auto, den Renault Trafic, jedoch nicht. Die Telematik-Box schien kein Strom zu bekommen und startet daher ihren Betrieb nicht. Da ich nicht sicher war, ob die Telematik-Box überhaupt funktionierte schickte ich diese zur Überprüfung an die VHV Versicherung zurück. Wenige Tage später erhielt ich eine neue Telematik-Box. Auch diese ließ sich nicht an der vorhanden 12V Steckdose starten. Nach etwas Überlegen kam mir die Idee, zwischen der 12V Steckdose des Autos und der Telematik-Box ein Verlängerungskabel (Kaufpreis etwa 6 Euro) zu verwenden, um mit der Anschlussdose des Verlängerungskabels eine andere Steckvorrichtung zu haben. Die VHV Versicherung bestätigte mir am Telefon, dass die Bauformen der 12V-Steckdosen in den Autos immer wieder leichte Unterschiede aufweisen und sich daher das Einstecken der Telematik-Box unter Umständen schwierig gestalten kann. Am Verlängerungskabel ließ sich im meinem Fall nun die Telematik-Box starten. Die Telematik-Box liegt nun auf einer vorhandenen Ablagefläche unter dem Lenkrad. Die Box arbeitet nun völlig automatisch, d.h. die entsprechenden Daten jeder Autofahrt werden nun erhoben und an die VHV Versicherung übermittelt, ein manuelles An- oder Ausschalten der Box ist nicht nötig.
Telematik-Box der VHV Versicherung

Im Renault Trafic Bj. 2014 funktioniert die Telematik-Box nur an einem Verlängerungskabel an der 12V-Steckdose

Eine erste Analyse der erhobenen Daten

Nach einem Login in das Telematik-Portal der VHV Versicherung erhält man auf den ersten Blick den aktuellen Stand seines eigenen Fahrstils bzw. des persönlichen Fahrzeugeinsatzes. Die Telematik-Versicherung der VHV ist eine „pay how you drive“-Versicherung, also eine Versicherung, die eine Bonus-Rückzahlung je nach Fahreinsatz und Fahrverhalten ermittelt. Dabei werden folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Tempo (Geschwindigkeit)
  • Fahrweise (Brems- und Beschleunigungsverhalten)
  • Straßen (auf welchen Straßentypen wird mit dem Auto gefahren)
  • Uhrzeit (an welchen Wochentag und zu welcher Uhrzeit wird das Auto gefahren)

Aus diesen Faktoren wird ein Gesamtwert ermittelt, der bestimmt, wie hoch die Bonusrückzahlung der vorab bezahlten Risikoprämie ist. Die VHV Versicherung gewährt bei dem Tarif „TELEMATIK GARANT“ einen maximalen Bonus von 30%, d.h. maximal 30% der von mir bereits bezahlten Versicherungsprämie kann ich erstattet bekommen. Grundlage für die Ermittlung dieses Gesamtwerts ist die Auswertung der einzelnen Fahrten über einen Fahrzeugeinsatz von mindestens 25 Stunden. An dem hier dargestellten Screenshot meines persönlichen Telematik-Portal-Bereichs erkennt man, dass ich aktuell einen Bonus von 22% erhalten würde. Noch habe ich jedoch das Auto nicht über die volle 25 Stunden bewegt.

Screenshot VHV Telematik-Portal

Im persönlichen Bereich des Telematik-Portals wird die aktuelle Rabattstufe angezeigt (Screenshot)

Die vier Einzelwerte liegen aktuell in meinem Fall bei 95 für das Tempo, bei 97 für die Fahrweise, bei 53 für die Straße und bei 89 für die Zeit. Hier können die Werte in einem Bereich von 0 bis 100 liegen, wo bei ein maximaler Wert von 100 das Optimum darstellt.
Im persönlichen Bereich des Telematik-Portals ist jede einzelne Fahrt, kurz nachdem man die Fahrt durchgeführt hat, abrufbar. Man erhält zu einem eine Kartenansicht (mit Zoomfunktion) über die gefahrene Strecke und zu anderem grundlegende Daten über die Fahrt. In der folgenden Abbildung ist ein Screenshot dieser Zusammenfassung einer einzelnen Fahrt dargestellt.

screenshot VHV Telematik Autofahrt Auswertung

Beispiel einer Autofahrt-Auswertung im persönlichen Bereich des Telematik-Portals (modifizierter Screenshot)

Für diese Fahrt, welche an einem Sonntag stattfand, werden die Uhrzeit von Start und Ende des Fahrzeug-Einsatzes, die gefahrenen Kilometer, die maximale Geschwindigkeit und die Durchschnittsgeschwindigkeit erfasst und somit im Portal angezeigt. Ebenso werden die ermittelten Werte für die Einzelfaktoren Tempo, Fahrweise, Straße und Uhrzeit ausgegeben. Schließlich wurde hier ein Gesamtwert, in diesem Fall ist es 91, für diese Fahrt errechnet.
Ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt, nach einer Fahrt, diese Auswertung anzuschauen, um persönlich mein Fahrverhalten zu reflektieren. Tatsächlich kann ich bei mir feststellen, dass ich motiviert bin hier gute Werte zu erreichen. Ein Zugriff auf das Telematik-Portal ist über das Internet oder über eine Smartphone-App möglich.

Der Datenschutz-Aspekt des Telematik-Tarifs

In kritischen Artikeln werden besonders die Datenschutzaspekte von Telematik-Tarifen hervorgehoben, so beispielsweise im Online-Artikel der Zeitung „DIE WELT“ vom 21.05.2015: „Diese KFZ-Versicherung weiß, wie schnell sie fahren.
Zum Thema Datenschutz stellte Dr. Horgby von der VHV Versicherung – speziell für diesen hier gezeigten Tarif – folgende Punkte während seines Vortrags auf der Fachmesse DKM 2015 dar:

  • Datensicherheit
    • Verschlüsselte Datenübertragung nach neuesten Sicherheitsstandard
    • Zugriffsmöglichkeiten nur für eine sehr begrenzte Anzahl Mitarbeiter mit umfangreichen Rechte- und Rollenkonzept
  • Datenspeicherung
    • Auf Servern des deutschen Dienstleisters der VHV Versicherung in Deutschland
    • Zwei Jahre Aufbewahrung der Daten bei aktiven Verträgen
    • Vollständige Löschung aller Daten nach Vertragsende
  • Datenweitergabe
    • Die Daten werden nicht weitergeben
    • Ausnahmen:
      • bei Einwilligung des Kunden
      • auf richterlichen Beschluss im Rahmen eines Strafermittlungsverfahrens

Auf dem gleichen Vortrag wurde erwähnt, dass nur ich als Fahrer und Kunde das Bewegungsprofil meines Autos einsehen kann. Die Versicherungsgesellschaft dagegen arbeitet nur mit den aggregierten Einzelfaktoren und ermittelt daraus einen Gesamtwert, um die Bonushöhe festzustellen.
Als Kunde vertraue ich natürlich, dass der höchstmögliche Datenschutz für dieses Produkt und die technische Umsetzung seitens der Versicherungsgesellschaft zu jederzeit gewährleistet ist. Da Versicherungsgesellschaften durch ihr Geschäftsmodell per se immer mit vertraulichen Daten der Versicherungsnehmer arbeiten, geht es also hier um die Fortführung dieser Kernkompetenz auch im digitalen Zeitalter.

Fazit

Noch ist es zu früh für mich ein umfassendes Fazit über den neuen Telematik-Tarif der VHV Versicherung zu ziehen. Nach dem nun aber die Anfangsschwierigkeiten der Inbetriebnahme der Telematik-Box behoben sind, stelle ich jetzt bereits fest, dass die Messung und Bewertung meines Fahrstils und den gewählten Einsatz meines Fahrzeugs, tatsächlich die KFZ-Versicherung für mich völlig neu erlebbar macht. Die Motivation möglichst einen hohen Bonus zu erzielen, aber auch die persönlichen Auswertungsmöglichkeiten im Telematik-Portal zeigen – zumindest jetzt zu Beginn des Versicherungsjahres -, dass ich mich mehr mit dieser Versicherung beschäftige. Da die VHV-Versicherung nach eigenen Angaben nur die aggregierten Werte für Tempo, Fahrweise, Straße und Uhrzeit nutzt, sehe ich hier auch den Datenschutz als großes Hindernis an. Ob mein positiver Eindruck bleibt und welche weiteren Erfahrungen ich mit dieser Technologie mache, werde ich in naher Zukunft in weiteren Blogartikel darstellen. Die Neugier ist jedenfalls bei mir geweckt und ebenso stellt es in einem aktuellen Interview auch Dr. Horgby fest: „Die Neugier im Markt ist geweckt“ nachzulesen unter www.experten.de.
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Digitale Kommunikation: WhatsApp als Kundenzugang

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In den letzten rund 30 Jahren hat sich das Internet zu einem umfassenden Kommunikations- und Informationsmedium entwickelt. Diese Entwicklung verlangt auch von Unternehmen der Assekuranz, eine stetige Anpassung der Nutzung dieser Technologie. Das Beispiel des Dienstes WhatsApp zeigt deutlich auf, wie schnell es heute Millionen von Nutzern leichtfällt, eine neue Kommunikationsplattform anzunehmen und in ihre alltägliche Kommunikation zu integrieren. War es früher zunächst die Unternehmen, die sich neue Kommunikationstechnologien zugewendet haben (sehr gut zu sehen am Telefon- und Fax-Anschlüssen), scheint es heute fast umgekehrt: Der private Nutzer eignet sich neue Kommunikationstechnologien sehr schnell an und fordert damit die Unternehmen indirekt auf, auf das neue Kommunikationsverhalten der Kunden zu reagieren.

 

Screenshot WhatsApp

Screenshot WhatsApp

Die umfassende Kommunikationsanwendung „WhatsApp“

Der Kommunikationsdienst „WhatsApp“ wurde im Jahr 2009 entwickelt und kann seitdem auch genutzt werden. Dieser Dienst wird auch als Instant-Messaging-Dienst bezeichnet. Mit „Instant-Messaging“ wird herausgestellt, dass die Nachrichten, die auf dieser Plattform verfasst werden, sofort an den Empfänger bzw. an die Empfängergruppe versendet werden.

Die WhatsApp-Anwendung ist für alle gängigen Betriebssystemen von Smartphones, wie z.B. iOS, Android, WindowsPhone erhältlich. Selbst über einen Webbrowser lässt sich (in Verbindung mit einem Smartphone) diese Kommunikationsplattform nutzen. Der Nutzer kann über diese Plattform umfangreiche Kommunikation betreiben, wobei der Dienst selbst das Internet nutzt (im Gegensatz zu SMS-Diensten, die Dienste von Mobilfunkanbietern sind).

Ein Nutzer kann über WhatsApp mit einem einzelnen Empfänger kommunizieren oder innerhalb einer Empfängergruppe Nachrichten austauschen.

Folgende Arten von Nachrichten können über WhatsApp verschickt werden:

  • Textnachrichten
  • Bilddateien
  • Sprachnachrichten (Audiodateien)
  • Videodateien
  • Mitteilung über den eigenen Standort (GPS-Information des Smartphones)

Es zeigt sich also, dass dem Nutzer mit der WhatsApp-Anwendung ein umfangreiches Kommunikationswerkzeug an die Hand gegeben wird.

Die Nutzung von WhatsApp ist laut einer Mitteilung von WhatsApp auf ihrem deutschsprachigen Unternehmensblog vom 18. Januar 2016 frei von Kosten. Der durch die Nutzung von WhatsApp verursachte Datenverkehr kann natürlich für den einzelnen Nutzer mit Kosten verbunden sein, je nach gewählten Datentarif und der gewählten Einwahl in das Internet (Mobilfunknetz, Festnetz oder WLAN-Hotspot etc.). Im Februar 2014 kaufte das US-Unternehmen Facebook Inc. das Unternehmen WhatsApp. Bisher blieben jedoch die Plattformen WhatsApp und Facebook weiterhin voneinander unabhängig.

Ein Blick zurück: der Aufbau des Telefonnetzes in der Bundesrepublik Deutschland

Welche Herausforderungen heutige Unternehmen haben, sich raschen Veränderungen der Kommunikationsnutzung der Kunden anzupassen, zeigt sich besonders, wenn dies einmal mit Entwicklungen in der Vergangenheit verglichen wird. So hat der Aufbau des Telefonnetzes in der Bundesrepublik Deutschland und damit Vernetzung der Privathaushalte in einem Zeitraum von 1955 (Beginn des Ausbaus der Selbstfernwähldienste) bis ca. 1985 stattgefunden. In unterschiedlichen Publikationen lässt sich nachlesen, dass Unternehmen sehr schnell dabei waren, sich Telefonanschlüsse einzurichten und erst danach die Privathaushalte mit eigenen Anschlüssen vernetzt wurden. Laut der Chronik “Entwicklung der Nachrichtentechnik in Deutschland und anderswo“ von Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner wurden im Jahr 1982 im Bereich der Privathaushalte in der Bundesrepublik Deutschland eine Anschlussrate von 87% erreicht. Insgesamt gab es damals um die 30 Millionen Telefonanschlüsse. Die Unternehmen hatten also eine durchaus lange Zeitspanne, um sich auf die neue Form der (Telefon-)Kommunikation der Kunden einzustellen. Mit zunehmender Versorgung der Privathaushalte mit Telefonanschlüssen entwickelte sich auch daraus die Call-Center-Technologie, um die zunehmende Anzahl von Anrufen einerseits, aber auch andererseits die Kundengewinnung bzw. den Produktverkauf über dieses Kommunikationsmedium zielgerichtet und gut organisiert abzuwickeln. Die Unternehmen hatten also rund 30 Jahre Zeit, sich auf ein neues Kommunikationsverhalten ihrer Geschäftspartner und Kunden einzustellen.

WhatsApp benötigte nur 6 Jahre um über 30 Millionen Menschen in Deutschland zu vernetzen

Laut einer Mitteilung auf dem deutschsprachigen Unternehmensblog von WhatsApp vom 1. Februar 2016 nutzen nun über 1 Milliarde Menschen weltweit diesen Dienst. Wie hoch die Nutzungsrate von WhatsApp in Deutschland ist, lässt sich aus der aktuellen Online-Studie von ARD/ZDF 2015 ermitteln. Hier geben 54% der Internetnutzer an Instant-Messaging-Dienst wie Beispielsweise WhatsApp zu nutzen. In der gleichen Studie wird festgehalten, dass es in Deutschland im Jahr 2015 79,1% (absolut 55,6 Millionen) Internetnutzer gibt. So wird auch in der Zusammenfassung der Studie folgendes festgehalten: „Den größten Nutzerkreis können Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp versammeln: 59 Prozent aller Onliner (33 Millionen) verwenden diese zumindest gelegentlich.“ In einer weiteren Studie vom Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) vom 22. Oktober 2015 wird ebenfalls resümiert: „Daneben haben Messenger, allen voran WhatsApp, aber auch Dienste wie Snapchat und Threema, einen festen Platz in der Kommunikationslandschaft erobert: Rund drei Viertel der Internetnutzer verwenden sie bereits. In der Altersgruppe der unter 30-Jährigen sind es sogar weit über 90 Prozent.“

Erstaunlich ist es schon, dass es keine 6 Jahre benötigt hat, um über 30 Millionen Menschen in Deutschland für diese neue Kommunikationsanwendung zu begeistern.

Das Internet als revolutionäres Kommunikationsmedium

Immer wieder werden über das Thema „Internet als revolutionäres Kommunikationsmedium“ ausführliche Blogartikel geschrieben (z. B. „Digitale Kommunikation statt Social Media Marketing“). Hierbei wird aufgezeigt, wie durch die Vernetzung der einzelnen Menschen über die Smartphones bzw. das Internet sich das Kommunikationsverhalten verändert. Der Austausch über Social Media Plattformen und neuen Anwendungen wie zum Beispiel WhatsApp erhöhen die Geschwindigkeit, aber auch die Art und Weise der Kommunikation. Hierbei hat diese Kommunikation selbstverständlich immer zwei mögliche Seiten, sie kann einerseits positives verstärken, kann aber auch auf der anderen Seite negatives ebenfalls ungehindert transportieren. Auch die Unterscheidung von wahr und falsch einer Meldung einer Tatsache kann für den Nachrichtenempfänger schwerfallen.

Ein Unternehmen der Versicherungswirtschaft sollte in der Lage sein, sich der Kommunikation über das Internet zu stellen. Des Weiteren sollte ein Unternehmen auch über die verschiedenen Kommunikationskanäle erreichbar sein, um jederzeit in Interaktion mit dem Kunden treten zu können. Unternehmen sollten den Anspruch haben, auch im Internet eine agierende Kommunikationsrolle einzunehmen um nicht in eine ständig reagierende Rolle einnehmen zu müssen.

Die Notwendigkeit einer Kommunikationsstrategie für WhatsApp

Wenn ein überwiegender Teil der Kunden sich schnell einer neuen Kommunikationsplattform, wie es WhatsApp nun einmal ist, zuwendet und diese ohne Probleme in ihren alltäglichen Kommunikationsverhalten mit einbindet, scheint es für Unternehmen durchaus angebracht, eine geeignete Kommunikationsstrategie zu entwickeln. Es spricht auch für die Kommunikationsplattform, wenn es Millionen von Kunden leichtfällt, diese Plattform zu nutzen. Da der Funktionsumfang (u.a. Übermittlung von Text-, Bild- und Sprachnachrichten) dieser Anwendung auch umfangreich ist, lassen sich einige Anwendungsfälle skizzieren, bei dem dieser Kommunikationskanal eingesetzt werden kann. Die fehlende Verschlüsselungsmöglichkeit in der Kommunikation über WhatsApp schränkt dabei den Anwendungsbereich ein. Die Kommunikation über WhatsApp ist somit vergleichbar mit einer unverschlüsselten E-Mail-Kommunikation über das Internet. Auf alle Fälle sollte man prüfen, für welche Zielgruppe eine Kommunikation sinnvoll ist:

  • B-to-B-Kommunikation
    und/oder
  • B-to-C-Kommunikation

Darüber hinaus sollte man hinterfragen, für welche Bereiche des Tagesgeschäfts die Einbindung einer WhatsApp-Kommunikation geeignet ist. Beispielsweise wäre eine Anwendung in folgenden Bereichen denkbar:

  • Vertrieb
  • Kundenservice
  • Schadenmanagement

Eine Herausforderung ist dabei die Integration einer derartigen WhatsApp-Kommunikation in die bestehende Kommunikationsstrategie. Eine Vernetzung der verschiedenen Kommunikationskanäle sollte möglichst nahtlos ineinander übergreifen.

Fazit

In der Vergangenheit haben die Unternehmen selbst bestimmt, welche Kommunikationskanäle zur Verfügung gestellt werden, da diese oftmals überhaupt technisch und finanziell die Mittel hatten, diese Kanäle aufzubauen (zum Beispiel Fax- und Telefonanschlüsse). Heute ist es jedoch eine breite Kundenzahl, die rasend schnell neue Kommunikationsformen annimmt und tagtäglich einsetzt. Das Beispiel WhatsApp zeigt, dass eine Software-Anwendung, die auf bestehender Hardware-Infrastruktur (Smartphone, Mobilfunknetz und Internet) aufbaut, eine schnelle Verbreitung finden kann. Unternehmen der Versicherungswirtschaft werden dadurch in eine reagierende Rolle gedrängt, da sie sich diesen neuen Kommunikationsplattformen erst öffnen müssen. Das Aufsetzen einer entsprechenden Kommunikationsstrategie ist dabei unabdingbar.

WhatsApp ist hier nur ein Beispiel für eine sehr schnelle Verbreitung von neuen Kommunikationsplattformen. Zukünftig wird es sicherlich weitere Plattformen geben, die dann ähnlich schnell eine hohe Akzeptanz bei den Kunden erreichen. Es geht also vielmehr darum, wie man als Unternehmen eine Kunden-Kommunikation aufbaut, die zukünftig schnell in der Lage ist, neue Kommunikationsverhalten der Kunden zu adaptieren.

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